Atemregler 1965

Rekonstruktion und Re-Design eines Zweischlauchreglers 

Ausgehend vom einem  Artikel im Poseidon Tauchmagazin 7/1965 von Eckart Richter habe ich den Atemregler im 3D CAD rekonstruiert, geprüft und überarbeitet. Das Ergebnis ist ein Re-Design des Atemreglers von Eckart Richter mit kompletter Dokumentation und Zeichnungssatz. 

Auf dieser Seite sind kurz einige Informationen zu diesem Projekt dargestellt. Die wichtigen Detail können bei mir erfragt werden.

Aktuell suche ich noch nach der 
Möglichkeit einer Fertigung.
Bei Interesse bitte einfach eine eMail schreiben (siehe Impressum)






Motivation

Vintage Diving, das Tauchen mit historischer Ausrüstung, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Besonders die unkomplizierte und minimalistische Ausrüstung ermöglicht ein freies Taucherlebnis und stellt den Spaß am Hobby im Vordergrund. Damit grenzt sich das Vintage Diving vom Technical Diving, dem Tauchen in extreme Tiefen unter der Verwendung von Mischgas stark ab. Beim Technical Diving steht das Streben nach extremeren Tauchgängen und wissenschaftlichem Nutzen im Vordergrund.

Der Markt des Vintage Diving besteht zum Großteil aus dem Handel mit historischen Tauchgeräten und Ersatzteilen. Nur sehr wenige Hersteller bringen entsprechende Nachbauten auf den Markt. Ein Beispiel ist der Atemregler „Argonaut Kraken“ von Vintage Double Hose, welcher eine moderne Neukonstruktion eines Zweischlauchreglers darstellt. Der „Argonaut Kraken“ verzeichnet einen hohen Absatz, ist selbst aber in der Stückzahl stark limitiert.

Durch die Nutzung einer Eigenentwicklung eines Lungenautomaten im Jahre 1965 durch einen deutschen Bastler soll ein Atemregler entwickelt werden, welcher einfach zu fertigen ist und den Ansprüchen eines einstufigen Atemreglers im historischen Kontext genügt. Dieser Atemregler wird als „Atemregler 1965“ im Folgenden bezeichnet.

Originaler Artikel



Klassifizierung und Verwendungseigenschaften

Der Atemregler 1965 ist wie folgt einzuordnen:
  • Zweischlauchautomat
  • Einstufenautomat
  • Upstream-Ventil (gegen den Druck öffnendes Ventil)
  • nicht kompensiert
  • mit Venturi-Injektor
  • 200bar DIN Anschluss
  • Metallgehäuse
Daraus ergeben sich folgende Eigenschaften bei der Verwendung:
  • Atemwiederstand ist vom Flaschendruck abhängig. Je geringer der Druck in der Tauchflasche, desto geringer ist auch der Einatemwiederstand. Bei leerer Flasche muss nur der Druck der Feder überwunden werden
  • Bei Federbruch dichtet der Atemregler.
  • Bei Vereisung bläst der Atemregler ab, da Vereisung nur beim Einatmen auftreten kann.
  • Bauartbedingt (großes Metallgehäuse, nur Metallteile) ist eine Vereisung sehr unwahrscheinlich, da der Temperaturausgleich mit der Umgebung rasch von statten geht. Auch taut eine Vereisung schnell auf, wenn das Flaschenventil geschlossen wurde.
  • Durch die Kombination von Upstream-Ventil und Venturi-Injektor ist der Einatemwiderstand während des Ansaugens von Luft geringer als der Notwendige Ansaug-Unterdruck zum Öffnen des Ventils. Der Ventri-Injektor muss individuell justiert werden.
  • Der 200bar DIN Anschluss ist platz- und gewichtssparend, jedoch ist das Gewinde anfällig. Ein einfacher DIN-INT-Bügeladapter kann einfach montiert werden.

Eindrücke vom  "Atemregler 1965"

Der Atemregler 1965 stellt eine optimierte Version des originalen Entwurfes von Eckart Richter dar. Damit ist der Atemregler 1965 auch in heutiger Zeit einsetzbar, wobei der historische Kontext gewahrt wurde. Der hier konzipierte Atemregler ist sehr einfach, robust und weitgehend unkompliziert herstellbar. 

Im Vergleich zu modernen Atemreglersystemen ist eine größere Atemarbeit notwendig, die Luftlieferleistung geringer und damit auch die Einsatztiefe begrenzt. Empfohlen werden 20m als Tiefengrenze. Da der Atemregler 1965 eine Neuanfertigung eines historischen Tauchgerätes ist, sind weitere Forderungen an den modernen Taucher gestellt. So kann weder ein Finimeter, noch eine alternative Luftversorgung angeschlossen werden. Hierfür ist unbedingt für den Gebrauch die Weiterbildung anhand von historischen Handbüchern notwendig.


Fertigung – Toleranzen und Verfahren

Der Atemregler wurde von Eckart Richter als Selbstbauprojekt konzipiert. So sind keine besonders engen Toleranzen notwendig. Es sind nur Spielpassungen vorhanden, sodass bei ungenügenden Spiel manuell nachgearbeitet werden kann. So konnte die Allgemeintoleranz DIN ISO 2768 –mK festgelegt werden.

Wichtig ist die Oberflächenbearbeitung der Reglermechanik. Hier müssen alle Oberflächen poliert sein. Dies gewährleistet nicht nur reibungsarme Bewegungen und damit eine geringere Atemarbeit, sondern auch geringen Abrieb. Abrieb kann bei Aspiration gesundheitsgefährdend sein und die Reglermechanik blockieren. Dazu sind auch alle Kanten abzurunden.

Für die Fertigung der meisten Teile sind eine Drehbank und eine Abkantbank für kleine Bleche notwendig. Die Silikonteile können in selbst gefertigten Formen gegossen werden. Das Ausatemventil kann behelfsmäßig aus einem Fahrradschlauch hergestellt werden. Für diese speziellen Teile können auch Kaufteile verwendet werden. Problematisch ist die Fertigung der Gehäuseschalen. Hier kann entweder gedengelt, eine Formpresse oder ein ähnliches Kaufteil verwendet werden. Die Atemstutzen sind an den Gehäuseschalen hart angelötet.